OROSEI, DIE FESTE

S. Antoni e s’ocu (16. Januar)
Die Karwoche
S. Isidru (ungefähr 15. Mai)
S. Maria e mare (ungefähr 25. Mai)
Madonna del Rimedio (ungefähr 8. September)

Die überwiegende Mehrheit der einheimischen Feste hat einen religiösen Charakter, doch kann es auch abergläubische und magische Elemente geben, welche dem starken Bedürfnis nach himmlischem Schutz gegen natürliches Unglück (auch „Kräfte des Bösen“ genannt) entspringen.

Aus diesem Grund werden einige Feste (hauptsächlich von den Landwirten) gefeiert, welche dem landwirtschaftlichen Kalender folgen; andere wiederum sind schlichter Ausdruck der Frömmigkeit der Bevölkerung. Diese letzten Feste werden zum größten Teil von einem Priorat verwaltet, welches „durch den Willen des Heiligen“ am Tage der Feierlichkeit ausgewählt wird. Im Anschluss an die Messe werden Lose mit den Namen derjenigen gezogen, welche als „Partner“ fungieren wollen. Unter diesen Briefchen befindet sich auch der Name des Heiligen, dessen Festtag gefeiert wird. Es wird derjenige Prior für das kommende Jahr, welcher nach dem Los des Heiligen gezogen wird.

S. Antoni e s’ocu (S. Antonio des Feuers)

Dies ist eines der Feste, welches am deutlichsten soziale und rituelle Elemente aufweist. Zu Ehren des Heiligen wird ein großes Freudenfeuer vorbereitet und angezündet (Durchmesser der Grundfläche: 14 m, Höhe ca. 11 m).

Am Morgen des Dreikönigsfestes sammeln und transportieren die Bewohner des Ortes alleine oder in Gemeinschaften das Holz (Mastixstrauch, Zistrose, Erdbeerbaum, Rosmarin, Olivenzweige, Pinie und Zypresse) mit von Ochsen gezogenen Karren, kleinen Lieferwagen und Lastwagen jeder Art. Alles wird im weitläufigen Hof der Kirche von S. Antonio um einen vorher dort aufgestellten Zypressenpfahl („su pirone“) aufgehäuft, neben dem alten, pisanischen Turm. Am Nachmittag des 16. Januars, Vorabend des Festes von S. Antonio, wird der beeindruckende Holzstapel in eine konische Form gebracht, gekrönt von einem großen Kreuz aus Orangen. Um 17.30 Uhr wird der Holzstapel vom Priester gesegnet und sofort an verschiedenen Stellen angezündet. Die Menschenmenge, welche der Zeremonie gefolgt ist, beginnt nun mit den rituellen drei Kreisgängen um das Freudenfeuer, während eine Gruppe von jungen Leuten die Herausforderung sucht, um das Orangenkreuz vom Stapel herunter zu holen. In der Zwischenzeit lädt das Priorat in den umgebenden kleinen Zimmern zu Wein, Kaffee und hauptsächlich dem typischen Gebäck dieses Festes “su pistiddu” (Zutaten sind Mehl, Honig und natürliche Aromen) und “su pane nieddu” (Mehl, Honig, Hefe, Sapa – eine Zuckerart). Gleichzeitig zu diesem “gemeinsamen” Freudenfeuer werden im Ort von einzelnen Familien kleinere Feuer in Höfen oder auf Plätzen angezündet, welche oftmals dazu dienen sollen, von einem abgelegten Gelübde freigesprochen zu werden.

Aus der Richtung des Rauchs wurden Vorhersagen für das landwirtschaftliche Jahr abgeleitet, während die Aschereste gesammelt wurden, um bei Bauchbeschwerden von Kindern eingesetzt zu werden.

Die Riten der Karwoche

Es ist der ungebrochenen Vitalität der drei Bruderschaften von Orosei zu verdanken, dass die Riten der Karwoche immer noch faszinierende Elemente beinhalten, welche – weitab von jeglicher theatralischer Geste – hervorragend die Religiosität der Bevölkerung zum Ausdruck bringen. Diese deutet, bisweilen auf originelle und autonome Art, die prinzipiellen Mysterien der katholischen Kirche. Als einfacher Betrachter ist es nicht leicht, die komplexe Dialektik zwischen den drei Gruppen zu begreifen: Insignien, Bildnisse, Gesänge und die innerhalb der Prozessionen eingenommene Position sind nicht zufällig, sondern entsprechen einer präzisen Zeremonie, welche mündlich seit Jahrhunderten überliefert wird.

Die beeindruckendsten Zeremonien finden in drei Prozessionen statt: “sos sepurcos, su brossolu, s´incontru“ und werden jeweils am Gründonnerstag, Karfreitag und am Ostermorgen abgehalten:

Sos sepurcros (die Begräbnisse) werden mit großer Sorgfalt in den acht Kirchen, welche später während der Prozession aufgesucht werden, vorbereitet. Sie bestehen aus Blumenkompositionen (charakteristisch sind die „nenneres“- Grasstengel, welche man im Dunkeln hat sprießen lassen) deren geometrisches Zentrum vom verstorbenen Christus gebildet wird.
Su brossolu (Wiege) heißt die Bahre, in welche das Bildnis gebettet wird. An der Prozession „a su brossolu“ nehmen zwei weitere Gruppen teil: die Gruppe der Maria und die des Kreuzes.
S’incontru zelebriert die Begegnung des wieder auferstandenen Christus mit seiner Mutter.
Die Dramatik der erzählten Ereignisse wird Moment für Moment vom melancholischen Gesang der “gogos” (in sardischer Sprache) betont, welcher vom Chor der Mönche vorgetragen wird. Im Augenblick der Begegnung jedoch explodiert die Freude, ausgedrückt durch kräftige Gewehrssalven.

Das Gleiche wird in der traditionellen Kleidung der Schwesternschaften ausgedrückt: Rock und Mieder in schwarzer Farbe als Ausdruck der Trauer, hingegen brauner Rock und Samtmieder in grün, violett oder karmesinrot als Zeichen der Feier.

Prozession von S. Isidru (S. Isidoro – ungefähr 15. Mai)

Eine recht einfache Prozession zu Ehren von S. Isidoro, dem Landwirt. Ab dem frühen Morgen befinden sich die Landwirte (welche in der Vergangenheit den Großteil der Bevölkerung stellten) in hektischer Betriebsamkeit, um ihre Karren mit jeglicher Sorte von Blumen zu schmücken. Vor diese Fahrzeuge werden dann Ochsen gespannt, ebenfalls mit Blumengirlanden geschmückt und mit ein oder zwei Glocken um den Hals. In der Mitte des Jochs fehlt nie ein Strauß Kornähren – speziell ausgewählt und aufbewahrt vom vergangenen Jahr. Gegen 10.30 Uhr versammeln sich alle Karren mit jungen Leuten in traditionellen Kostümen bei der Kirche delle Grazie, um von dort aus die Prozession mit dem Heiligenbildnis zu beginnen.

S. Maria ‚e Mare (Letzter Sonntag im Mai)

Das wesentlichste Element dieses Festes ist die Prozession. Diese beginnt um 17.00 Uhr bei der Kirche von S. Giacomo: Bildnis der Heiligen, Bruderschaften, Gruppen in traditionellen Kostümen und die unverzichtbare Menge der Gläubigen beleben diesen Ritus. Am Fluss Cedrino, wo bereits viele Neugierige warten, besteigen Priester und Angehörige der Bruderschaften mit der Statue die von den Fischern geschmückten Boote. Nach einem Augenblick der Unruhe sind dann alle zur Abfahrt bereit: ungefähr 15 Boote, angeführt vom Boot mit dem Heiligenbild, fahren langsam in einer Reihe den Fluss hinunter und erreichen nach ca. 2 km die kleine Kirche bei der Mündung. In der Zwischenzeit geht der Rest der Menge am Damm entlang zu Fuß. Die Boote reihen sich zum Schluss auf der Höhe der Kirche mit etwas Abstand parallel zum Ufer auf – in der Mitte das Boot mit dem Heiligenbild, welches als erstes anlegen wird. Bei diesem Fest werden mit Meeresfrüchtesalat belegte Brötchen vom Priorat ausgegeben.

Neuntägige Andachten der Madonna del Rimedio (Beginn Freitag der ersten Septemberwoche)

Dieses ist das längste Fest (18 Tage); innerhalb der Mauern der Marienwallfahrtskapelle ergänzen sich die religiösen und die weltlichen Aspekte perfekt. Hiervon erzählt die Nobelpreisträgerin Grazia Deledda in ihrem bekanntesten Roman „Schilf im Wind“. Der Ritus, seit Zeiten fast unverändert, wiederholt sich jedes Jahr : am Freitag der ersten Septemberwoche begeben sich ungefähr 100 Familien (der größte Teil aus Orosei, aber auch aus den Nachbarorten) mit ihrem Hausrat zur Kapelle, um dort ein ihr per Zufall zugeordnetes „cumbessias“ (kleines Zimmer) zu beziehen. Hier werden sie schlafen, essen, Verwandte und Freunde bewirten und gute Kontakte zu den anderen Zimmernachbarn während der beiden, jeweils neuntägigen Andachten pflegen.

Am Tag des Festes (zweiter Sonntag im September) erreicht die Unterhaltung ihren Höhepunkt : zur Mittagszeit werden alle Tische miteinander vereint und erwecken solchermaßen den Eindruck eines einzigen, großen Banketts welches sich kreisförmig innerhalb der begrenzenden “cumbessias” befindet. Ein eigens hierfür vorgesehenes Komitee von fünf Personen verwaltet den Ablauf dieser temporären, heterogenen Gemeinschaft und sorgt für die unverzichtbaren zivilen Darbietungen (Wettbewerbe gesungener improvisierter Reime, Folkloretänze etc.), welche die Wertschätzung der einheimischen Traditionen zum Ausdruck bringen.

Weitere Feste (S. Giacomo, 25. Juli) und Kirchweihfeste (des Spanferkels, des sardischen Gebäcks, der Pfirsiche, des Fisches) werden in der Zeit von Juli bis August organisiert.

Finde deine Ferienwohnung